Open Science: Wissenschaft im digitalen Zeitalter (Digitaler Salon @ HIIG)

Wie offen kommunizieren und teilen wir Wissen? Wie versteht sich Wissenschaft im digitalen Zeitalter? Moderne Kommunikationsmittel eröffnen neue Wege des Publizierens und Kooperierens und können Methoden und Abläufe in der Wissenschaft verändern. Das war Thema der Diskussionsrunde zu „Open Science“ am 27. März des Digitalen Salons im „Google-Institut“.

Was ist „Open Science“?

Was bedeutet „offene Wissenschaft“ eigentlich? Thilo Jahn, Moderator des Abends, steuert sein Mikrofon zielstrebig durch die 30 bis 40 Gäste. Vor dem tätowierten Business-Punk im Sakko bleibt er stehen. Kaum überrascht weil bereits vor der Veranstaltung durch Jahn vorbereitet, antwortet der Gast nun eloquent mit Verweis auf die Tautologie des Begriffs: Wissenschaft sollte an sich immer offen und frei sein. Doch was ist dann das Neue an Open Science?

Wann wird Wissen veröffentlicht?

Das Institut für Internet und Gesellschaft der Alexander von Humboldt Universität (HIIG) und die DRadio Wissen Netzreporter laden monatlich Experten ein, um über die vernetzte Gegenwart zu diskutieren. Dr. Sascha Friesike, Mitarbeiter des Instituts, stellt die Frage konkreter:

Wann sollte eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler etwas von seinen Forschungsergebnissen veröffentlichen? Diese Frage stellt sich heute anderes als noch vor zwanzig Jahren, da das Publizieren von wissenschaftlichen (Zwischen-)Ergebnissen dank neuer Medien jederzeit umfassend möglich ist.

Open Science
„Open Science“: Gibt es eine Art Begrifflichkeits-DNA für das Konzept der freien Wissenschaft? Der digitale Salon in Berlin wirft Licht auf das (Selbst-)Verständnis moderner Forschung

Wissen zu Teilen beflügelt die Forschung

Haben viele Wissenschaftler schnell Zugang zu neu Entdecktem, profitiert die gesamte Forschung davon. Martin Fenner, Mediziner und Autor für die Public Library of Science, nennt ein Beispiel: ESO GigaGalaxy Zoom. Auf der Internetplattform teilen Physiker wie Hobbyastronomen ihre Entdeckungen am nächtlichen Sternenhimmel. Die eingepflegten Daten können von jedem für weitere stellare Exkursionen verwendet werden und so für eine Potenzierung der Erforschungspotentiale sorgen.

Vorzeitiges Veröffentlichen behindert Karrieren

Doch wem gebührt der Entdeckerruhm, wenn so viele Personen an der Forschung beteiligt sind? Prof. Peter Frensch, Vizepräsident für Forschung der Humboldt-Universität, warnt vor den negativen Seiten einer offenen Wissenschaft.

Gerade junge Forscher, für die Publikationen ein wichtiger Karrierefaktor sind, sollten sich vor einer zu schnellen Veröffentlichung von Zwischenergebnissen hüten. Denn etablierte Konkurrenz könnte dank der Forschungsergebnisse schneller zum Ziel kommen und so dem Nachwuchs die Lorbeeren nehmen.

Digitalisierung: Schutz vor Plagiaten

Aus Angst vor der Konkurrenz werden also manche Ergebnisse geheim gehalten. Genauso blieben Publikationen unter Verschluss, kritisiert eine Dame im mittleren Alter aus dem Publikum. Sie ist Journalistin und damit auf Informationsquellen angewiesen, Universitäten hindern sie manchmal an der Lektüre von Diplomarbeiten.

Prof. Frensch räumt in seiner Replik ein, dass es durchaus vorkommt, dass Publikationen zurückgehalten werden, um Plagiate zu vertuschen. Bereits veröffentlichte Diplomarbeiten verschwinden dabei, um die eigene Doktorarbeit zu schützen. Digitale Veröffentlichungen im Internet machen Wissenschaft heute transparenter. Die Publikationen sind einer breiten Masse zugängig. Plagiate werden so leichter aufgedeckt, wie die Plattform VroniPlag in der Vergangenheit bewies.

Freie Wissenschaft ohne Drittmittel

Eine offene Wissenschaft wird eng mit dem Freiheitsbegriff verknüpft. Die Freiheit der Wissenschaft in Forschung und Lehre ist im Grundgesetzt verankert. Wurde zu Beginn bereits sanft beim Definitonsversuch von „Open Sience“ darauf hingewiesen, so wurde das Thema „Abhängigkeit durch Drittmittel“ nicht noch einmal angesprochen.

Obwohl das Veröffentlichen von Forschungsergebnissen gerade durch Geldgeber aus nicht staatlichen Stellen, zum Beisiel aus der Industrie, reglementiert wird. Die Unabhängigkeit des HIIG, das zur Talkrunde einlud, wird von Kritikern bezweifelt. Schließlich soll Google das Institut mit 4,5 Millionen Euro finanziert haben. Ob dies der Grund für das Schweigen zum Thema Drittmittel war, sei dahingestellt.

Nächster Digitaler Salon: Urheberrecht

Der nächste Digitale Salon lädt am 24. April um 18:30 Uhr wieder in das HIIG am Bebelplatz ein. Das Thema: Urheberrecht und der Wandel der Medienbranche. Fragen, wie sich die Filmbranche gegen Piraterie wehren kann und welche Gesetzesänderungen das Urheberrecht in Zukunft erfahren sollte werden von Experten und Teilnehmern diskutiert.